Im Rahmen des Themenschwerpunktes
WAS IST GLÜCK?
lädt das Studium generale zu folgendem Vortrag ein:
Prof. Dr. Michael Koch (Bremen)
Glück im Kopf
Neurochemie einer Empfindung
Dienstag, 12. November 2002, 18.15 Uhr
Hörsaal N 3 (Muschel)
Freude und Glück sind sicher
die erstrebenswertesten Zustände, die wir Menschen kennen. Die Frage, was
Glück und Freude sind, beschäftigt die Philosophen schon seit Jahrtausenden.
Allerdings stellen sich auch die Naturwissenschaften und insbesondere die Hirnforschung
die Frage nach den möglichen physiologischen Grundlagen dieser Gefühle.
Was kann die Hirnforschung zum Verständnis von Glück und Freude beitragen?
Sitzt das Glück im Kopf? Gibt es so etwas wie ein neurochemisches Korrelat
dieser Empfindung?
In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entdeckten James Olds und seine
Mitarbeiter bei elektrischen Hirnreizungsexperimenten sogenannte "Lustzentren":
Die Reizung dieser Hirngebiete führte dazu, dass Versuchstiere sich unaufhörlich
selbst stimulierten und Menschen, die sich solchen Experimenten freiwillig unterzogen,
berichteten von "unglaublich intensiven Glücksempfindungen".
In der Folge wurden diese Untersuchungen erweitert und auf eine neurochemische
Basis gestellt. Psychopharmakologische Untersuchungen zeigten, dass vor allem
der Neurotransmitter Dopamin eine entscheidende Rolle bei der Entstehung positiver
Emotionen spielt. Auch die meisten Sucht- und Genussmittel entfalten ihre Wirkung
direkt oder indirekt über das dopaminerge "Belohnungssystem"
des Gehirns.
Im Vortrag werden die wichtigsten Untersuchungen vorgestellt, die zur Entwicklung
des Konzeptes der "Neurochemie des Glücks" geführt haben,
aber es wird auch kritisch beleuchtet, welche Relevanz dieses Konzept für
das Selbstverständnis des Menschen hat.
Prof. Dr. Michael Koch, studierte Biologie und Chemie an der Universität
Konstanz. Promotion 1990. Forschungsaufenthalte an der Universität Cambridge
(England). Habilitation im Fach Tierphysiologie im Jahr 1996 an der Universität
Tübingen. Danach weitere Forschungstätigkeit in Tübingen als
Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Seit dem Jahr 2000
Inhaber des Lehrstuhls für Neuropharmakologie an der Universität Bremen
und Direktor am Institut für Hirnforschung. Mitglied zahlreicher nationaler
und internationaler neurowissenschaftlicher Fachgesellschaften. Mitarbeiter
des "Center for the Study of Emotion and Attention" an der Universität
Gainesville (Florida), Mitglied des Herausgebergremiums der Zeitschrift "Psychopharmacology".
Nächster Vortrag in dieser Reihe:
Prof. Dr. Günther Bien (Stuttgart)
Wohlbefinden, Lustmaximierung und Bedürfnisbefriedigung. Aspekte des
neuzeitlichen Glücksbegriffs
Dienstag, 3. Dezember 2002, 18.15 Uhr, Hörsaal N 3 (Muschel)
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