Der Interdisziplinäre Arbeitskreis für Drama und Theater und das Studium generale
laden im Rahmen der Ringvorlesung

Die großen Komödien Europas

zu folgendem Vortrag ein:

 
Prof. Dr. Christopher Balme (Mainz)
Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung zwischen Übersetzung und Inszenierung
Montag, 2. November 1998, 17.15 Uhr,
Hörsaal P 5 (Philosophicum)

Der Widerspenstigen Zähmung gehört sicherlich zu den bekanntesten und erfolgreichsten Komödien Shakespeares. Trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer politisch unkorrekten Thematik erfreut sich diese Komödie auch heute ungebrochener Popularität auf der deutschen und internationalen Bühne. Der Referent wird sich diesem Stück aus der Sicht des Theaterwissenschaftlers nähern. Das heißt, daß im Mittelpunkt der Betrachtung weniger philologisch-interpretatorische als vielmehr inszenierungstheoretische und -analytische Fragen stehen werden. Insbesondere geht es um die Beziehung zwischen Übersetzung und Inszenierung. Der Widerspenstigen Zähmung eignet sich für eine solche Frage ganz besonders, da sie eine kontinuierliche Aufführungs- und Übersetzungsgeschichte aufweisen kann. Nachgegegangen wird insbesondere der Frage, wie sich Übersetzungen und Inszenierungen gegenseitig bedingen. Dabei stehen drei klar identifizierbare textuelle Momente im Zusammenspiel miteinander: das fremdsprachliche Original, die deutsche Übersetzung und der szenische Text der Inszenierung. Auch wenn das fremdsprachliche Original vom Publikum kaum wahrgenommen wird, spielt es für das Produktionsteam häufig eine um so wichtigere Rolle.

Drei Inszenierungen des Stückes werden anhand des Schlußmonologs, in dem Katharina alle Frauen zum Gehorsam gegenüber ihren Ehemännern anhält, näher besprochen: Das Bayerische Staatsschauspiel 1971 (Regie: Otto Schenk), Die Bremer Shakespeare Company 1988 (Regie: Norbert Kentrup), das Bayerische Staatsschauspiel 1993 (Regie: Matthias Hartmann).

Prof. Dr. Christopher Balme, geb. 1957 in Neuseeland, studierte Germanistik, Theaterwissenschaft und Kulturanthropologie an den Universitäten Auckland, Otago und München. Promotion 1984 (Otago); Habilitation 1993 (München). Professor für Theaterwissenschaft in München (1994–1998), in Mainz (seit 1998).

Publikationen: The Reformation of Comedy (1985); Das Theater von Morgen (1988); Texte zur Theorie des Theaters, hg. mit Klaus Lazarowicz (1991); Theater im postkolonialen Zeitalter (1995); Decolonizing the Stage (Oxford 1998); Einführung in die Theaterwissenschaft (1999).

Nächster Vortrag in dieser Reihe:

Prof. Dr. Klaus Ley (Mainz)
Neues zu Goldoni: La Locandiera / Die Vermieterin
Montag, 9. November 1998, 17.15 Uhr, Hörsaal P 5 (Philosophicum)


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