Im Rahmen des Themenschwerpunktes


WAS IST GLÜCK?


lädt das Studium generale zu folgendem Vortrag ein:

 

Prof. Dr. Günther Bien (Stuttgart)


Wohlbefinden, Lustmaximierung
und Bedürfnisbefriedigung
Aspekte des neuzeitlichen Glücksbegriffs


Dienstag, 3. Dezember 2002, 18.15 Uhr, Hörsaal N 3 (Muschel)


Ein Philosoph der Aufklärungszeit hat behauptet, erst in seinen Tagen beginne die Philosophie und Politik nach dem Glück der Menschen zu fragen. Diese Feststellung überrascht angesichts der Tatsache, dass doch im Zentrum der antiken und mittelalterlichen Ethik stets die Frage nach dem Glück sowie die anthropologische Grundthese gestanden hatte, dass alle Menschen von Natur aus und unaufgebbar nach dem Glück streben. Die Philosophie war darum geradezu definiert worden als Lehre vom und Anweisung zum glücklichen Leben. - Das scheinbare Paradox lässt sich leicht auflösen: Die Neuzeit hatte ein grundsätzlich anderes Glückskonzept. Die Definition des Glücks stand jetzt am Anfang der Lehrbücher der politischen Ökonomie, wobei es dementsprechend primär um Güterproduktion und Bedürfnisbefriedigung des Sinnenwesens Mensch ging. Eine Folge davon war, dass es zu einer unauflöslichen Spannung zwischen menschlicher Glückssuche und Moralpflichtigkeit kam, in den Worten des Kantianers Bruno Bauch: "Der Mensch will glücklich sein, aber das darf er nicht; er soll moralisch sein, aber das will er nicht." Diese auch heute noch verbreitete Hintergrundüberzeugung hat erhebliche Konsequenzen für die Befindlichkeit der Menschen unserer Tage.
Günther Bien, Prof. Dr. phil. habil., ord. Professor für Philosophie an der Universität Stuttgart, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Philosophie, Pädagogik und Psychologie der Universität Stuttgart; Honorarprofessor der Universität Ulm; Vorsitzender des Beirates des Humboldt-Studienzentrums für Geisteswissenschaften der Universität Ulm; Mitglied des Beirates der "Allgemeinen Zeitschrift für Philosophie"; Vorsitzender des Kuratoriums der Akademie Hohenheim.
Themen der Publikationen: Ethik und politische Philosophie bei Platon und Aristoteles, Wirkungsgeschichte der Aristotelischen Politiktheorie, Theorie des Verhältnisses von Theorie und Praxis, Geschichte der Universität, Staatszwecklehre, Typologie des menschlichen Naturverhältnisses, Begriff und Moralität der Lüge, Geschichte der Ethik, Begriff des Naturstandes im 17./18. Jh., Bürgerbegriff, Verhältnis von Wissenschaft und Weisheit, von Philosophie und Ökologie, Wirtschaftsethik. - Mithrsg. des Historischen Wörterbuches der Philosophie; Mithrsg. der Reihe PRAKTISCHE PHILOSOPHIE (bisher 70 Bände).


Nächster Vortrag in dieser Reihe
:
Dr. Stefan Klein (Berlin)
"Die Glücksformel" oder "Wie die guten Gefühle entstehen"
Dienstag, 10. Dezember 2002, 18.15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)

 

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