Im Rahmen des Themenschwerpunktes
WAS IST GLÜCK?
lädt das Studium generale zu folgendem Vortrag ein:
Prof. Dr. Michael Bringmann (Mainz)
FORTUNA -
Vom Schicksal des Menschen
bis zum Trugbild irdischer Wünsche
Donnerstag, 30. Januar 2003, 17.15 Uhr, Hörsaal N 3 (Muschel)
Ebenso wenig wie die Liebe, die Zeit
und das Schicksal kann das Glück, das dem Menschen zufällt oder ihn
im Stich lässt, von den Wissenschaften definiert werden. Gleichzeitig spielt
es jedoch im täglichen Denken und Sprechen eine außergewöhnlich
große Rolle. Die zahllosen Beiträge von Philosophie und Literatur,
aber auch die mehr oder minder gedankenvollen Glückwünsche im Lauf
des Jahres sind Beleg genug dafür, dass die Idee eines von Glück erfüllten
(irdischen) Daseins eine zentrale Rolle in unserem Leben und bei der Bewältigung
seiner Probleme spielt. Es gehört zu den Vorteilen der verbalen Kommunikation,
dass die gemeinte Bedeutung, also die Definitionsschärfe (oder -blässe)
von Begriffen wie Glück, aus der Situation und dem Kontext zu erschließen
ist. In den Bildkünsten ist dies anders. Wie durch die Verfilmung eines
literarischen Textes unsere zuvor individuell verschiedene und verschwommene
Vorstellung vom Aussehen der Romanfiguren (und damit die Wahlfreiheit unserer
Phantasie) vernichtet und ein allgemeingültiges "Bild" der Akteure
festgelegt wird, - genauso ist dies in der Geschichte der Kunst mit den zeitgenössischen
Vorstellungen vom Glück, von der Glücksgöttin Fortuna, vom Glücksrad
usw. geschehen, sobald diese Begriffe von Malerei oder Graphik in fest umrissene,
alles für die Aussage Wesentliche enthaltende Formen "übersetzt"
werden mussten. Das - durchaus bescheidene - Hauptziel des Vortrags ist es,
den in zumeist allegorischen Darstellungen erkennbaren Wandel der Vorstellung
vom Glück und die Bedeutung einzelner Motive im Gesamtzusammenhang der
Bilder zu erläutern.
Literatur: F. P. Pickering, Literatur und darstellende Kunst im Mittelalter,
Berlin 1966. - E. Meyer-Landrut, Fortuna, Die Göttin des Glücks im
Wandel der Zeiten, München 1997.
Prof. Dr. Michael Bringmann, geb. 1940. Prom. Heidelberg 1968 (Studien
zur neuromanischen Architektur, Heidelberg 1968), Habil. 1978 (F. Pecht, Maßstäbe
der deutschen Kunstkritik im 19. Jahrhundert, Berlin 1982). Seit 1978 Prof.
für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte in Mainz. Wissenschaftliche Schwerpunkte:
Bildkünste, Architektur und Kunstkritik des 19. Jahrhunderts; Kunstgeschichte
des Barocks, vor allem in Italien und den Niederlanden; Todesthematik in der
Kunst; die Kunst der Handzeichnung. Zahlreiche Aufsätze zu diesen Themen.
Weitere Buchpublikationen: Die (Maler der Familie) Mosbrugger, Weißenhorn
1974. - Von Rembrandt bis Menzel, Meisterwerke der Zeichenkunst, Die Sammlung
Brandes, Heidelberg 2000.
Nächste Veranstaltung in
dieser Reihe:
Tagung des Musikwissenschaftlichen Instituts in Verbindung mit dem IAK für
Drama und Theater
Lieto fine - Dramaturgie des Schließens im Musiktheater und in der
Musik um 1800
Freitag, 7. Februar, und Samstag, 8. Februar 2003, Beginn 9.00 Uhr, Atrium maximum
(Alte Mensa)
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